1. AchSo!-Fachtag 2024. Von Ankunft bis Zukunft. Digitale Integrationsangebote. Am 15.05.2024

Der 1. AchSo! Fachtag 2024. Von Ankunft bis Zukunft. Digitale Integrationsangebote begann mit einer Begrüßung von Sebastian Jende, dem Vorstandsvorsitzenden des Drudel 11 e.V. und Christina Prothmann, Projektleitung des Thüringer App-Kompass. Der Begrüßung schloss sich die Keynote von Katrin Scheibe und Franziska Zimmer an, die in ihrem Vortrag Neues Land, neue Mediennutzung? Informationsbedarf von Asylsuchenden Forschungsergebnisse aus ihrer Monographie Asylees‘ ICT and Media Usage. New Life – New Information? präsentierten. Sie untersuchten mithilfe qualitativer und quantitativer Methoden die Art der Informationen, die Geflüchtete suchen und nutzen. Ihre Untersuchungen zeigen, dass das Smartphone das am meisten genutzte Medium der Geflüchteten ist. Webseiten spielen für die Beschaffung von Informationen (Rechte, Unterbringung, etc.) eine wichtige Rolle, während bei der App-Nutzung vor allem Bildung und Spracherwerb im Vordergrund stehen. Geflüchtete Menschen weisen eine crossmediale Nutzung auf, d.h. sie bewegen sich auf mehreren Plattformen gleichzeitig zu unterschiedlichen Zwecken. 

Zusammenfassung der Workshops

Dr. Stephan Görland hat in seinem Workshop Mediale Migrant*innen? Zum Zusammenhang von (digitalen) Medien in Migrations- und Integrationsprozessen gezeigt, dass Smartphones sowohl auf der Flucht als auch im Zielland wichtig sind. Sie dienen zur Orientierung, Vernetzung, oder Seenotrettung und werden als „Fenster zur Welt“ gesehen. Andererseits werden Medien bei der Migration oft überschätzt. Nach 2016 gab es viele Apps für Geflüchtete, die jedoch aufgrund von Top-down-Ansätzen oft nicht genutzt wurden. Anfangs wurde sich auf das Herkunftsland konzentriert, inzwischen werden Bildung und Alter ebenfalls in den Blick genommen. Untersuchungen seit 2016 haben gezeigt, dass Geflüchtete Social Media für die Selbstorganisation nutzen. Ein Potenzial, dass für neue digitale Projekte genutzt werden sollte. 

Susette Schubert stellte in ihrem Workshop IPSO: Psychosoziale Muttersprachliche Online-Beratung im Web und in der App das gleichnamige Online-Angebot für Geflüchtete vor, das für Probleme und Fragen Beratung anbietet. Über die IPSO-Website erhalten Nutzer Zugang zu Video-Beratungsdiensten in vielen Sprachen. Das Ziel ist die Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen sowie die Förderung des persönlichen und sozialen Wohlbefindens. Die Beratung ist unterstützend, nicht-wertend und vertraulich, durchgeführt von gut ausgebildeten Fachkräften. Studien zeigen, dass nach durchschnittlich 3,8 Sitzungen eine signifikante Verringerung von Depressionssymptomen, posttraumatischer Belastungsstörung, Angst, Stress, somatischen Beschwerden und Beeinträchtigungen der täglichen Funktionalität erreicht werden kann. 

Im Workshop Demokratie 2.0: Chancen und Herausforderungen der digitalen Meinungsbildung stellte Pit Balbierer die Initiative Jugend prägt vor. Ziel ist es, Jugendlichen niedrigschwellig politische und gesellschaftliche Themen näherzubringen, unter anderem durch kurze und lange Erklärvideos, moderiert von Influencern wie Mister Wissen 2 go. In der anschließenden Diskussion wurden Vor- und Nachteile digitaler Demokratiebildung gegenüber analogen Angeboten erörtert, wie etwa die Problematik einer stummen Mehrheit, digitale Überforderung und die Reproduktion von Vorurteilen durch KI. Vorteile digitaler Angebote sind die schnelle Reichweite und Beliebtheit bei Jugendlichen. Der Workshop konzentrierte sich auf praktische Arbeit mit Jugendlichen, deshalb wurden nützliche Webseiten und Praxismaterialien vorgestellt. 

Daniel Kehnes Workshop Brücken bauen mit Bits und Bytes. Die Integreat-App als Wegweiser für Migrant*innen begann mit einer Diskussion über die Verteilung digitaler Angebote für Geflüchtete, die in den alten Bundesländern stärker vertreten sind. Gründe dafür sind eine bessere Infrastruktur und eine höhere Start-up-Kultur. Die AchSo!-App zeigt jedoch, dass hier Lücken geschlossen werden können. In einer Gruppenarbeit wurde festgestellt, dass Informationen für alltägliche Situationen hauptsächlich über Google, soziale Medien und gelegentlich Flyer und Broschüren bezogen werden. Das Informationsverhalten hat sich stark auf digitale Angebote verlagert. Daran knüpft die Integreat-App an und dient als digitale Informationsplattform für Geflüchtete. Sie bietet regionsspezifische Informationen und berücksichtigt die vielseitige Nutzung von Smartphones für Orientierung, Information und Kontaktaufnahme. 

Kay Albrecht thematisierte in seinem Workshop Intervenieren statt Ignorieren – Zivilgesellschaftliches Engagement in digitalen Kommentarspalten und Chatgruppen die Entstehung von Hate Speech in sozialen Medien und angemessene Reaktionen darauf. Er betonte die Wichtigkeit, die schweigende Mehrheit zu mobilisieren und diejenigen zu stärken, die sich gegen die laute Minderheit stellen, etwa durch Likes oder eigene Kommentare. Diese Empfehlungen wurden anhand praktischer Beispiele veranschaulicht. Jedoch erfordern solche Maßnahmen erheblichen personellen Aufwand und psychische Stabilität, was für Einzelpersonen oder Vereine oft schwierig zu leisten ist. 

Marc Hupfelds Workshop behandelte die Möglichkeiten und Herausforderungen Künstlicher Intelligenz in der Jugend- und Migrationsarbeit. Er erläuterte, was KI ist, wie sie funktioniert und wie sie eingesetzt werden kann und stellte Anwendungen wie ChatGPT, HeyGen, Google Gemini und Synthesia vor. Hupfeld unterschied zwischen schwacher KI, die auf spezialisierte Aufgaben fokussiert ist, und starker KI, die wie ein menschliches Gehirn arbeitet. In der Jugend- und Migrationsarbeit wird KI bereits genutzt, z.B. im Intranet der Caritas, das KI einsetzt, um Mitarbeitende zu vernetzen. Weitere Beispiele sind das Projekt KiJuAssistenz, ein digitales Werkzeug für die pädagogische Arbeit, und SensAssist2Sens, ein Programm zur Textanalyse in der Sozialen Arbeit. 

Förderhinweise

Gefördert wird das Projekt 'Der Thüringer App-Kompass - Praxiseinsatz und Begleitung der Integrationsarbeit' durch Mittel der Europäischen Union aus dem Asyl-, Migrations- und Integrationsfond, sowie durch das Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz. 

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